People come and go so strangly here…

So genug gesüßholzgeraspelt…

Ey diese Figuren hier, ich krieg´s nicht auf die Reihe! Ich habe Montag die Archäologen unter die Lupe genommen…Es gibt hier nämlich departmental societies…Also nix wie hin zum Pub-Crawl denke ich mir! Als ich ankommme, muss ich gleich das erste Mal dezent die Stirn runzeln. Ein grobschlächtiger lauter Mensch möchte mir meinen Namen mit einem Edding großflächig mitten ins Gesicht schreiben…Man trägt das hier so in der ArchSoc…Aja…ich mache gute Miene zum eher nervigen Spiel und hoffe nur, dass da jetzt auch wirklich mein Name steht und nicht „Sex Maschine“ oder sowas…Ein Blick in die Runde: „God“ und „Sexy Thing“ schauen mich nicht über die Maßen stark belustigt an…gut.

So, es ist laut, die meisten Leute sind Freshers oder schon betrunken…na ja…langsam wird es langweilig. Einige gequälte Gespräche mit stotternden Ersties verlaufen im Sande. Die älteren Herren werden immer lauter, kündigen dumme Trinkspiele an. Bier trinkt mensch hier aus Eimer-ähnlichen Gefäßen. Ich quäle mir mein zweites Fosters rein, da hat der mit dem Edding bewaffnete Saufochse schon seinen dritten Eimer angefangen…eine Stunde bin ich jetzt hier. Geredet wird generell nicht viel, sondern eher gebrüllt, gegrunzt und gebrabbelt. Mein aufgesetztes Grinsen wird mir langsam zu anstrengend…
Endlich soll es in eine andere Kneipe gehen, Gott sein Schrank, hoffentlich wird es ruhiger…

*ZONK*

Nix da…Die gröhlende Meute (ich habe bis dato noch nie gröhlende Archäologen gesehen) wankt wie Fußballhooligans singend in einen lauten, stickigen Tussiclub, oh jeah…
Dort halte ich es eine halbe Stunde aus…Ich frage mich noch, ob ich nicht zu den Geschichtler_innen hätte gehen sollen, als eine riesige jaulende Herde im Club auftaucht, die sich durch weiße T-Shirts mit der Aufschrift „I love History“ zumindest farblich von den anderen gröhlenden Idioten abhebt…Ah ja, gut…hat sich das also auch erledigt, da habe ich wohl die History Society gefunden oder sie mich. Bevor ich dezent aus dem Club verschwinde, komme ich auf die tolle Idee doch vorher noch mal mein Edding beschmiertes Gesicht zu betrachten…Der Clubspiegel sagt mir, dass ich „Nadja“ heiße, na ja…auch nicht schlecht.

Na was lernt man daraus: Departmental Society ist nicht gleich Fachschaft…eine vage These warum: Das kommt davon, wenn man Hochschulpolitik zentralisiert…und generell die Studierendenschaft ein Haufen feierversessener Deppen ist. Ähem…ich bin böse, ich wollte doch nicht generalisieren.

Generell was die „Mode“ hier betrifft, seien mir doch, auch wenn ich mich sonst für diesen Bereich der Welt kaum interessiere, einige wenige Worte erlaubt…und zwar folgende: Laue Katastrophe.
Wenn Kleider Leute machen, ist die Sheffielder Studi-Szene mit sehr sehr vielen Hohlbirnen durchtränkt.

Die Herren hier sehen genauso langweilig aus, wie auch in Berlin…und das ist gut so…Zu den Sheffielder Ladys fällt mir auch ein Berliner Äquivalent ein: die Oranienburger Straße.
Schon das alltägliche Auftreten der englischen Studentin in ihrem natürlichen Habitat – der Uni – weist sie als leichtbekleidetes Fashion-Victim aus. Doch das wahre Gesicht zeigt doch immer die Nacht: Hier fällt mensch als Frau am meisten auf, wenn frau lange normale Hosen trägt, weil alle anderen aussehen, als hätte es einen Sonderverkauf im Prostituierten-Fachgeschäft gegeben…Holla…
In Berlin habe ich mich immer über die Tussi-Uniform beschwert, aber das hier ist auch nicht besser, obgleich es auch uniform ist. Na ja…

Mein Wohnheim ist da nochmal ein Sonderfall. Offenbar bin ich in einer Anstalt für immer feiernde Söhne und Töchter aus nicht gutem aber reichem Hause gelandet. Hell, wat hier rumläuft…vor allem sehr sehr junge Menschen, die bei der ganzen Betuddelei im Wohnheim auch niemals erwachsen werden werden und es auch nicht wollen. Alles was die Ladys and Gents möchten ist PARTY…lustiger Weise sind die hier schon um eins zu Ende…Bis dahin gilt es DIE Mission zu erfüllen: Besoffen sein! Jawohl…

Das StuPa-Äquivalent hier unterstützt die permanente Sause, indem es eine komerzielle Riesenparty (um die 2000 Figuren geistern da rum) nach der anderen schmeißt. Und wenn die fleißigen Sauf-Studies nicht auf einer komerziellen Party sind, dann findet mensch sie in einer Kneipe…einer vollen, lauten, uncoolen und unbequemen Kneipe…

Oh ich höre gerade aus der Küche laute „oooohhh how cute, how great“-Geräusche…die Mädels waren beim Shoppen. „Oh let me see, that is so great!“ Jap…how great…ich habe gestern beim Spazierengehen einen coolen Friedhof gefunden…Schweigen in der Küche…Ich mag meinen weirden Ruf, har har…

Ach übrigens: Danke Deutschland für dieses Wahlergebnis! Hallo?? Was geht da ab bei euch? Schwarz-Gelb, was soll das? Wegen euch musste ich mich am 27.09.09 mit einem übers ganze Gesicht grinsenden CDU-Anhänger streiten…Na wenigstens eine politische Diskussion, etwas holprig auf englisch…Konservativ vs. Feministisch-eher Links (so werde ich jetzt jedenfalls immer dagestellt, ts ts), ein Südkoreaner musste schlichten…es war ganz amüsant.


6 Antworten auf „People come and go so strangly here…“


  1. 1 Martin 08. Oktober 2009 um 21:40 Uhr

    Hey, wann geht denn die Geschichte weiter? Ich möchte mehr über die grobschlächtigen Menschen erfahren.

  2. 2 Vincent 13. Oktober 2009 um 15:55 Uhr

    Ich will auch in Sheffield studieren! Die angelsächsische Partykultur erscheint sehr sympathisch.

  3. 3 Nachfrage 19. Oktober 2009 um 12:32 Uhr

    Meinst Du die

    http://en.wikipedia.org/w/index.php/University_of_Sheffield_Union_of_Students

    oder verwechselst du die mit irgendwelchen Clubs in den Fakultäten?

  4. 4 Claudia 11. November 2009 um 18:53 Uhr

    Auf die Nachfrage: Die ArchSoc ist die Departmental Society an der Archäologischen Fakultät…die Students Union ist das quasi Equivalent zu unserer „Studentischen Selbstverwaltung“. Gell? Die Societies bestehen aus Freiwilligen und im Falle der ArchSoc sehr partywütigen Menschen. Aber auch die Union sorgt für fast tägliche Partystimmung durch ziemlich kommerzielle Feten. Die Union ist Arbeitgeber für viele Studies, was wohl bei den horenden Studiengebühren auch bitter nötig ist…

  5. 5 Sophia 24. November 2009 um 21:48 Uhr

    Haha, haha…muahahaha…ich lach mich kaputt…sehr geil geschrieben. Ich hoffe „God“ und „Sexy Thing“ geht es gut…sind sie auch aus reichem aber nicht gutem Haus??? Haha…ich lach mich schlapp… ;-D

  1. 1 Der nasskalten Umgebung heimelig angepasste Speisung mit charmanter Salbeibeimengung — samt sämtlicher griffbereiter Weinreste « kulinaria katastrophalia Pingback am 12. Oktober 2009 um 22:22 Uhr

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